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Besucherandrang führt zu zunehmender Belastung für das Naturschutzgebiet

 

 

Die Wege auf dem Waldhügel leiden unter der Besucherlast, außerdem stellen viele Besucher derzeit ihre Autos in Parkverbotszonen ab, wie zum Beispiel der Habichtshöhe (kleines Foto). Fotos: Sievers (2)/privat (1)

Mathis Sievers

RHEINE. In Zeiten von Corona braucht es neben viel Geduld auch mal Abwechselung. In Rheine zieht es daher viele Menschen nach draußen in die Natur; auch der Waldhügel verzeichnete einen drastischen Anstieg bei den Besucherzahlen.

„Die Menschen kommen aus dem gesamten Kreis und sogar aus Münster, das kann man an den Kennzeichen gut sehen“, sagt Reinhard Hundrup, Vorsitzender des Förderverein Waldhügel. „Zuhause haben die Leute Stress, da ist es umso besser, wenn sie in die freie Natur gehen können“, berichtet er. Der Verein sehe den Anstieg der Besucherzahlen positiv, dennoch sei es schlecht, wenn dies auf Kosten der Natur geschehe, ergänzt Hundrup.

Viele Besucher laufen querfeldein abseits der Wege durch das Naturschutzgebiet, berichtet Hundrup: „Die meisten denken, das ist ja nur eine Wiese und glauben, da wächst nichts.“ Und tatsächlich – während eines Rundgangs am Samstag fallen Hundrup immer wieder Menschen auf, die sich nicht an die vorgeschriebene Wegführung halten. „Die Leute wissen nicht, was sie damit anrichten. Wenn die Blumen erst mal niedergetrampelt sind, wächst da nichts mehr“, erklärt er. Eine weitere Folge: Andere Menschen folgen ihren Vorgängern, bis ein richtiger Trampelpfad entsteht. „Man kann fast von einem Herdentrieb sprechen“, sagt der Vorsitzende des Fördervereins.

Im Naturschutzgebiet fallen immer wieder solche Pfade auf, die durch die starke Nutzung fast wie richtige Wege aussehen. „Wir haben hier mit 918 nachgewiesenen Arten die zweithöchste Artenvielfalt in NRW, nur Bonn liegt mit einer Art mehr vor uns“, erklärt Hundrup stolz. „Für uns ist der Waldhügel wie unser Baby, weil wir hier viel ehrenamtliche Arbeit reingesteckt haben. Da blutet einem das Herz manchmal schon, wenn man so was sieht.“

Die Wege würden mit der Zeit immer breiter, denn viele Menschen laufen am äußersten Rand, damit sie den in Corona-Zeiten gebotenen Mindestabstand einhalten können. Das sei natürlich unvermeidbar. Dennoch ärgert es Hundrup, wenn Leute nicht nachdenken, erzählt er, als ihm zwei Fahrradfahrer auf dem schmalen und steilen Weg entgegenkommen. „Die Grasnarbe wird zerstört und es dauert ewig, bis dort wieder alles nachwächst“, sagt er.

Mit dem „Massentourismus“ komme auch der Müll. „Es gibt immer Menschen, die Müll einfach wegschmeißen, aber jetzt haben wir natürlich auch mehr Besucher“, berichtet Hundrup weiter. Das sei schade, vor allem weil an allen Eingängen Mülleimer ständen und die Möglichkeit zur Entsorgung gegeben wäre.

Ein weiteres Problem: Ein Großteil der Besucher kommt mit dem Auto zum Waldhügel. „Wer bei Google Maps den Waldhügel als Ziel angibt, wird in eine Halteverbotszone geführt“, erläutert Hundrup. Trotz klarer Ausschilderung parken viele Besucher immer noch dort. Vor allem seit Corona habe sich das Problem „verdichtet. „Das Parken ist links und rechtsentlang der Catenhorner Straße erlaubt“, nennt Hundrup eine Alternative ohne die Gefahr auf einen Strafzettel vom Ordnungsamt. Nicht nur das sollte die Waldhügel-Besucher zur Einsicht bringen: „Das hier ist die wichtigste Feuerwehrzufahrt. Wir haben schon mal einen Test gemacht, die Autos der Feuerwehr können die Straße nicht passieren, wenn dort Autos stehen“, sagt Hundrup.

Auch wenn seit der Öffnung des Naturzoos der Andrang auf den Waldhügel wieder etwas abgenommen hat, bittet Hundrup alle Besucher, sich etwas Zeit zu nehmen und die Schilder zum Verhalten am Waldhügel durchzulesen. „Wir haben Informationstafeln aufgestellt, dort ist auch ein QR-Code zu unserer Webseite“, sagt er. „Viele verhalten sich ja nicht mit Absicht so. Ich mache den Menschen keinen Vorwurf.“ Besucher seien immer willkommen, aber sie müssten sich eben an Regeln halten. Und auch trotz des „Coronastresses“, so Hundrup, sollte allen Besuchern klar sein, dass das Liegen an Steilhängen hinter dem Zaun nicht nur die Natur gefährdet, sondern auch sie selbst. „Es sind schon Leute abgestürzt, solches Verhalten ist schlichtweg leichtsinnig“, warnt Hundrup.

„Für uns ist der Waldhügel wie unser Baby, weil wir hier viel ehrenamtliche Arbeit reingesteckt haben. Da blutet einem das Herz manchmal schon, wenn man so was sieht.“

Quelle: Münsterländische Volkszeitung, 18.05.2020, © Altmeppen Verlag GmbH & Co. KG ,
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