Auf einer langen Genehmigungsreise
RHEINE. Das Unternehmen Lhoist stellt sich mit seinem Kalkwerk am Waldhügel auf ein jahrelanges Genehmigungsverfahren für die geplante Erweiterungsfläche ein. Wie unser Medienhaus berichtete, hatte eine Lhoist-Delegation das Vorhaben beim Besuch von CDU-Bundespolitiker Jens Spahn in der vergangenen Woche zum Thema gemacht. Geschäftsführerin Alexia Spieler verdeutlichte dabei durchaus den Handlungsbedarf, denn die Abbaugenehmigung laufe bis 2031. „Das ist quasi morgen“, sagte sie.
Der Kalksteinbruch (früher Kalkwerk Middel) in seiner heutigen Form ist ungefähr 30 Hektar groß. Der absolute Großteil der Rohsteinreserven in diesem Bereich ist allerdings bereits abgebaut. Der alte, stillgelegte Steinbruch ist als Naturschutzgebiet bekannt und wird vom Förderverein Waldhügel gepflegt. Über die Jahrzehnte hat sich der Abbau entsprechend dem Kalksteinvorkommen Richtung Süd-Osten am Arnoldweg verlagert. Der tatsächliche heutige Abbau konzentriert sich auf einer bedeutend kleineren Fläche von zehn Hektar. „Die hier lagernden und genehmigten Restreserven reichen allerdings nur noch für einige wenige Jahre“, sagte die Lhoist-Sprecherin Adelheid Lüring im Nachgang zum Spahn-Besuch auf Anfrage unseres Medienhauses. „Damit ein reibungsloser Betrieb gewährleistet werden kann, muss die Erweiterung genehmigt sein, bevor der bestehende Steinbruch ausgeschöpft ist“, sagte sie. „Daher muss der Prozess frühzeitig in Gang gesetzt werden.“
Denn die Kalksteinindustrie ist laut Lüring sehr kapitalintensiv. „Um Planungssicherheit für wichtige Investitionen herzustellen und den Standort Rheine fit für die Zukunft machen zu können, benötigen wir eine langfristige Perspektive.“ Die Erweiterung des Steinbruchs sei nötig, um die Kunden auch künftig zuverlässig zu beliefern und die Arbeitsplätze der Mannschaft im Werk zu sichern. Mit zwölf Mitarbeitern ist das Werk in Rheine das kleinste in der Lhoist-Gruppe – aber mit einer Abbauleistung von rund 120.000 Tonnen Kalkstein pro Jahr ein konstanter Zulieferer für verschiedene Industrien, darunter die Herstellung von Stahl, Eisen, Glas, Zellstoff, Papier, Chemikalien, außerdem Rauchgasbehandlung und Wasseraufbereitung.
Anfang Dezember 2025 wurde als erstes die nächstgelegene Nachbarschaft über die Expansionspläne am Arnoldweg informiert, gab die Lhoist-Sprecherin Adelheid Lüring einen Einblick in die ersten Schritte des Verfahrens. Am 9. Dezember fand dann ein sogenannter Scoping-Termin unter Führung des Kreises Steinfurt als verantwortlicher Behörde statt. „Dabei wurde unter Beteiligung zahlreicher Fachbehörden ein Untersuchungsrahmen festgelegt.“
In den kommenden Monaten werden mehrere detaillierte Gutachten, Studien und Berichte zu zahlreichen Schutzgütern erstellt. Untersucht werde beispielsweise, welche Auswirkungen das Vorhaben auf Mensch, Umwelt und Natur hat. „Erst nach Abschluss der Untersuchungsphase liegt ein wissenschaftlich und gutachterlich fundiertes Bild darüber vor, wie und unter welchen Bedingungen der Steinbruch erweitert werden kann“, blickte Lüring voraus. Dann werden die Ergebnisse auch der Nachbarschaft vorgestellt und erläutert. „Die Antragsstellung zur Erweiterung ist für Ende 2026 vorgesehen.“
Die aktuelle Planung sieht eine Erweiterung von rund 8,5 Hektar vor. Die vorgesehene Fläche liegt südlich zwischen Storchenhügel und Waldhügelweg.
Lhoist Germany hat im Dezember mit einer Personalie für Aufsehen gesorgt – und den früheren FDP-Vorsitzenden Christian Lindner ab dem 1. Januar 2026 in seinen Aufsichtsrat berufen. Das Unternehmen begründete die Ernennung mit Lindners umfassenden Kenntnissen des Industriestandorts Deutschland, seiner geopolitischen Expertise und seiner Erfahrung in Wirtschafts- wie Finanzpolitik. Der 46-Jährige soll „seine Perspektive in das Gremium einbringen und Impulse zu den Themen Rohstoffsicherung, Energieversorgung und geopolitische Zusammenhänge geben“. Mehr Infos zum Unternehmen gibt es hier:
Quelle: Münsterländische Volkszeitung, 12.02.2026, © Altmeppen Verlag GmbH & Co. KG ,
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